Sechs Regisseure haben sich für den Uncharted-Film verpflichtet – und anschließend wieder abgesagt. Das jüngste Beispiel ist Travis Knight, der kürzlich aus Termingründen ausstieg. Wo wir gerade davon sprechen, im Uncharted-Film wird Tom Holland die Rolle von Nathan Drake übernehmen, obwohl Holland in diesem Sommer auch einen weiteren Spider-Man-Film drehen wird. 

Aus diesem Grund und wegen der Suche nach einem neuen Regisseur hat Sony die Veröffentlichung des Films vom 18. Dezember 2020 auf unbestimmte Zeit in die Zukunft verschoben. Kommt er 2021, 2022 … oder gar nie? Zu diesem Zeitpunkt weiß das niemand so genau. Es ist fast schon witzig, dass Sony die Idee eines Uncharted-Films einfach nicht aufgeben will.

Zur Veranschaulichung: Der Uncharted-Film wurde von Sony erstmals im Jahr 2008 angekündigt. In den 12 Jahren nach dieser Ankündigung hat der Film sechs Regisseure durchlaufen, darunter David O. Russell, Neil Burger, Seth Gordon, Shawn Levy, Dan Trachtenberg und Travis Knight.
 
Das Autorenteam hat ähnliche (wenn nicht sogar noch größere) Einbußen hinnehmen müssen, da das Drehbuch mit jedem neuen Regisseur umgeschrieben werden musste. Angesichts dieser Tatsachen stellen sich viele die Frage, warum sich so viele Regisseure vom Uncharted-Film abwenden. 

Liegt es an der willkürlichen Natur von Videospielverfilmungen oder daran, dass die Uncharted-Spiele an sich schon filmisch genug sind? Vielleicht ein bisschen von beidem, obwohl wir eher zu Letzterem tendieren. 

Die Uncharted-Spiele bieten unterhaltsame Gameplay-Elemente, die den Spieler mit einer Vielzahl von Aufgaben herausfordern, sowie eine spannende Handlung rund um den Schatzsucher Nathan Drake. Die Cineastik der Uncharted-Spiele funktioniert, weil man selbst interagieren und Teil des Geschehens sein kann. 
 
Es wäre schwierig, das „Gefühl“ der Uncharted-Spiele zu adaptieren und es für ein passives Kinopublikum greifbar zu machen. Darüber hinaus zeichnete sich die Uncharted-Spieleserie durch ein talentiertes Autorenteam aus, darunter Amy Hennig und Neil Druckmann. 

Bezüglich der Zusammenarbeit mit einigen der Regisseure bei diesem Projekt sagte Amy Hennig gegenüber Polygon

„Man muss in der Lage sein, das Wesentliche – den Kern des Franchises – herauszufiltern, um dann loslassen zu können. Gleichzeitig muss man den Filmemachern gegenüber wirklich offen sein, wenn man das Gefühl hat: ‚Du machst die Sache irgendwie kaputt‘. Aber interessanterweise hatten all die Rückschläge dabei nie etwas mit Sony oder Naughty Dog zu tun. Es war ihr ganz eigener Hollywood-Kram.“

In der Vergangenheit war es das Ziel der Autoren, den Film um Nathan Drake und seine Familie zu schreiben, anstatt über dessen Abenteuer im Spiel. Aus dieser Idee wurde später etwas Ähnliches, aber doch etwas anderes, als Holland eine junge Version von Nathan Drake spielen sollte.
 
Die Uncharted-Spiele haben bereits Drakes Vorgeschichte thematisiert, also müsste ein Film darüber so gestaltet sein, dass er den Fans der Serie noch etwas Neues bietet. Er müsste außerdem entsprechend komprimiert sein, um als Film funktionieren zu können, da die meisten Filme eine Gesamtlänge von weniger als 3 Stunden aufweisen.

Die Komplexität einer Adaption entsprechend der Einschränkungen Hollywoods bei gleichzeitiger Treue zu den eigentlichen Spielen ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum Regisseure und Autoren abgesprungen sind. Obwohl das nicht in allen Fällen zutrifft. Für einige Regisseure, wie Travis Knight, beruhte die Ausstiegsentscheidung auf früheren Verpflichtungen und Zeitmangel.

Ja, auf dem Papier sieht es nicht gerade schön aus, dass sechs Regisseure abgesprungen sind, aber einige der Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Uncharted-Film beruhen eher auf Pech als auf bösen Absichten. Wenn er gut umgesetzt wird, kann ein Uncharted-Film funktionieren und sein Publikum begeistern, ähnlich wie der Fanfilm von Allan Ungar mit Nathan Fillion in der Hauptrolle. 
 
Er war einfach fantastisch, und wenn ein Uncharted-Film die gleiche Stimmung einfangen könnte, wäre er wahrscheinlich ebenfalls fantastisch. Wir drücken die Daumen, dass der nächste Regisseur, den Sony einstellt, an Bord bleibt und den Uncharted-Film auf eine Weise vollendet, die der Spieleserie gerecht wird. 

Sollte dies nie zustande kommen, spielen wir auch gerne einfach noch mal alle Uncharted-Spiele, denn letztendlich können diese bereits die meisten cineastischen Wünsche der Fans erfüllen.